Es allen recht machen wollen: woher das kommt
Du hast viel erreicht, trägst Verantwortung und machst es trotzdem allen recht. Woher dieses Muster kommt, was es dich kostet und wie du wieder eine Wahl hast.

«Ich muss es allen recht machen!» Das höre ich immer wieder von meinen Kunden.
Ist das nicht unglaublich anstrengend? Einerseits ist das Wort ‹muss› für viele blockierend. Andererseits geht es gar nicht, es allen recht machen zu wollen. Weil du müsstest dann erst wissen, was dein Gegenüber unter ‹recht machen› versteht. Und schon hast du verloren. Als Führungskraft, als Mutter, als Partner.
Was es dich kostet
Auf lange Sicht ist es sogar höchst ungesund. Es kostet viel Energie, und deine Leistung leidet darunter.
«Du machst es allen recht, du stellst dich hinten an … und das macht müde.»
Bei mir hat es sich im Rennen gezeigt. Vor der WM waren meine wichtigsten Antreiber: Mach es allen recht! Streng dich an. Sei perfekt! Und sei stark! Vor lauter allen recht machen wollen war ich mit meinen Gedanken in der Zukunft oder in der Vergangenheit. Nie im Moment.
«Ich bin regelmässig in Schönheit gestorben während eines Rennens. Perfekter Stil, aber langsam.»
Woher das kommt
Wir kommen nicht auf die Welt und wollen es allen recht machen oder perfekt sein.
Ich erkläre es meinen Kunden so: Man passt sich an, um Wertschätzung von Mama oder Papa zu bekommen, damit sich der kleine Junge oder das kleine Mädchen gut genug und geliebt fühlt. Als Kind ist das essenziell, weil wir abhängig sind. Als Erwachsene bleiben wir dann in diesem Muster stecken. Und nichts im Aussen kann diesen geringen Selbstwert aufpeppen.
In der Transaktionsanalyse heissen diese Muster Antreiber. Es gibt fünf: Mach es allen recht! Ich muss perfekt sein! Ich muss mich anstrengen! Ich muss schnell machen! Und: Ich muss stark sein! Sie entstehen im Normalfall zwischen 0 und 6 Jahren.
Später wird das Glück dann im Aussen festgemacht. Wenn ich mich so und so verhalte, gegenüber meinen Eltern, in einer Beziehung, in einem Team, in der Gesellschaft, dann bekomme ich Wertschätzung, und dann bin ich gut genug.
«Das Spiel kannst du nie gewinnen.»
Was hilft
Zuerst: hinschauen. Skalier den Satz ‹Ich muss es allen recht machen› von 0 bis 10. 0 heisst, betrifft mich gar nicht. 10 heisst, ich sehe mich absolut darin. Wenn du über einer 5 landest, lohnt es sich auf alle Fälle, dieses Muster anzuschauen. Mit den anderen vier geht es genauso. Im Selbsttest auf dieser Seite machst du das in rund 10 Minuten.
Dann: die eigene Reihenfolge. Aus meiner Sicht als Coach heute ist Priorität eins: Ich bin verantwortlich, dass es mir gut geht. Dann kommt meine Familie oder meine Freundin, dann kommt der Beruf. Es ist extrem wichtig, dass du es auch mal dir recht machst.
Und schliesslich: den Glaubenssatz auflösen. Die Antreiber sind per se nicht gut oder schlecht. Gut ist, wenn du wählen kannst. Dann vergrösserst du deinen Handlungsspielraum, bist authentischer und hast mehr Spass am Leben. Weil du nicht mehr fremdgesteuert bist.
Wo das Muster bei dir sitzt und wie du es auflöst, schauen wir in der Tiefenanalyse gemeinsam an.